Complianceforum.de im Gespräch mit Herrn Rolf Kraemer, Leiter Compliance Office, Merck Finck & Co, Privatbankiers
München, den 16. November 2010

RolfKraemer

1) Sehr geehrter Herr Kraemer, wie unterstützt Compliance den Führungsanspruch von Merck Finck & Co „Vermögensverwaltung für die Besten“ zu leisten? Welchen Beitrag leistet Compliance zu den Unternehmenszielen?

Dieser Anspruch verlangt nach einer umfassenden Risikobetrachtung sowie nach angemessenen und wirksamen Kontrollsystemen, die sich auf die gesamte Wertschöpfungskette beziehen müssen. Unternehmenskontrollen müssen hinsichtlich Effizienz und Qualität ein so hohes Niveau haben, dass die Geschäftsleitung sich bei unternehmerischen Entscheidungen darauf stützen kann. Mit anderen Worten: Unser Beitrag liegt darin, dass wir mögliche Schwachpunkte in den Geschäfts- und Kontrollprozessen zielgerichtet identifizieren und dann beseitigen.

 

 

2) Wie definieren Sie Compliance?

Ich sehe die Anforderungen hauptsächlich in den Punkten Beraten und Prüfen. Dabei steht Beratung als „Informationsdienstleistung“ idealerweise im Vordergrund. Compliance muss mehr sein als eine Instanz, die das Innenleben eines Unternehmens „überwacht“: Kontrollmechanismen sind immer dort am nötigsten, wo bei handelnden Personen kein hinreichendes Bewusstsein besteht, was etwa rechtliche Anforderungen oder Unternehmensrisiken betrifft. Somit sollte Compliance bei allen Mitarbeitern zuallererst ein Bewusstsein für solche Risiken schaffen.

In meinen Augen ist auch die Trennung zwischen Compliance, Qualitätssicherung und Revision nicht in Stein gemeißelt; im Gegenteil. Letztlich arbeiten diese Funktionen alle für das gleiche Ziel. Warum nicht auch zusammen? Wo Interessenskonflikte auftreten, sind diese da, um gelöst zu werden.

 

3) Aus  welchen Elementen  besteht Ihre Compliancekultur, seit wann gibt es die Abteilung und wie viele Mitarbeiter arbeiten dort?

Merck Finck & Co vertritt hier einen ganzheitlichen Ansatz: Wir haben Compliance, Anti-Geldwäsche, Anti-Betrug und Datenschutz in einer Abteilung und unter einer Leitung zusammengefasst. Als selbstständige Einheit gibt es die Compliance-Stelle seit 2004; in der heutigen Form als „Compliance Office“ seit Mitte 2010. Wir beschäftigen 6 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 4 in Teilzeit.

 

4) Welche Erfahrungen haben Sie mit Compliancedienstleistern-, Elementen, Komponenten gemacht, wie zum Beispiel Geldwäsche, e-learning, Name-Matching-Systeme, Terrorismusbekämpfung?

Die Lösungen, die wir in den Bereichen Embargo, Anti-Geldwäsche, Terrorismusbekämpfung und Vermeidung von Marktmissbrauch einsetzen, leisten hervorragende Dienste. Dies verdanken wir unter anderem einem sehr flexiblen Basissystem, das uns das nötige Datenmaterial liefert. Auch die E-learning-Systeme finden im Unternehmen großen Anklang.

 

5) Welche Tipps, Ratschläge, Best Practises können Sie geben?

Am wichtigsten ist breites Vertrauen über alle Stufen des Unternehmens hinweg. Mit anderen Worten: Alle Mitarbeiter müssen das Bewusstsein haben, dass sie sich jederzeit vertrauensvoll an die Compliance-Kollegen wenden können. Dieses Vertrauen muss immer gesichert sein. Daneben muss Compliance der Geschäftsleitung organisatorisch so nah wie möglich sein, um die nötige Durchschlagskraft zu haben.

Auch eine Bestands- und Risikoanalyse ist äußert empfehlenswert: Dadurch lässt sich klären, welche Bereiche innerhalb einer Organisation besonderen Bedarf an Compliance-Betreuung haben.